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Facebook Wegelagerei: Fan-Gating

von Alexander Fedossov am 18. April 2011 · 12 Comments · In Business, Marketing, Social Web

Qualität ist meistens wichtiger als Quantität. Diese Weisheit scheint zumindest in der Offline-Welt kaum jemand ernsthaft anzuzweifeln. In der schönen neuen, bunten Online-Welt müssen wir offenbar noch überzeugt werden, dass sie wirklich zutrifft. Anders lässt sich nämlich die Fixierung auf Klicks, Follower und Fans oft nicht erklären. In Ermangelung von allgemein anerkannten und erprobten Qualitätskriterien für Online- bzw. Social Media Auftritte ist es heute für die Mehrheit der Teilnehmer (Unternehmen) ein naheliegender Ausweg, sich auf harte Fakten, wie Menge bzw. Größe, zu konzentrieren und sie mit Qualität gleichzusetzen. Soweit mein persönlicher Eindruck.

Spannend zu bobachten ist es, mit welchen Mitteln dann versucht wird, das Rennen um die gesteckten “Qualitätsziele” zu machen. Eine im Ausland und inzwischen hierzulande  gerne vorgeschlagene Methode zur Fanzahlsteigerung bei Facebook hat es mir in letzter Zeit besonders angetan – das sogenannte “Fan-Gating”.

Kurzdefinition von Fan-Gating: Der Nutzer wird gezwungen, Fan einer Fanpage zu werden, und erhält erst dann Zugang zu vermeintlich exklusiven Inhalten. Wird er nicht Fan, kann er mit der Fanpage praktisch nichts anfangen.

Vermutlich liegt die zunehmende Beliebtheit dieses Umgangs mit dem Nutzer daran, dass er gewisse Übereinstimmungen mit bewährten (offline) Denk- /Verhaltensmustern (z.B. “Eintritt nur für Clubmitglieder = alle wollen unbedingt rein” ) aufweist und deshalb als Methode so vertraut und zuverlässig scheint, ohne hinterfragt zu werden. Aber lassen wir die pseudopsychologischen Erkenntnisse. Für mich ist das unübertrieben mit das unsinnigste, was man einem potentiellen Facebook Fan antun kann.

Ich weiß nicht, wie Ihr auf Fan-Gates reagiert, aber ich mache Folgendes:

a) Wenn ich zufällig auf einer Seite lande und von einem Fan-Gate gezwungen werde, Fan zu werden, dann mache ich das aus Prinzip nicht.

b) Wenn ein cleverer Marketer mit der Aussicht auf  ein interessantes Tutorial zunächst außerhalb Facebooks (z.B. Blog, Webseite usw.) mein Interesse ernsthaft geweckt hat und ich mir den ganzen (Klick-) Weg machen musste, nur um festzustellen, dass ich den versprochenen Content nicht einfach so bekomme, läuft es so: Ich werde Fan. Lösche eine Sekunde Später die entsprechende Statusmeldung mit dem Hinweis auf die Fanpage von meiner Wall. Hole mir den Content. “Entlike” die Fanpage wieder. Und noch viel schlimmer, ich merke sie mir…für immer.

Ich kann mir vorstellen, dass ich nicht der einzige bin, der so oder so ähnlich reagiert.

So läuft es heute einfach nicht mehr! Guter, offener und freier Content – das ist die Zauberformel von heute, um echtes Interesse bzw. Engagement zu generieren und echte Multiplikatoren anzulocken, was wiedrum zu mehr neuen echten Fans und Interaktionen führt.  Möchte man als Fanpagebetreiber mit dieser Währung “bezahlt” werden, braucht es Arbeit und Zeit und keine Diskriminierungsmechanismen bzw. Vortäuschung von Exklusivität.

Gute Fanpages brauchen keine Fan-Gates. Ich bin sicher, dass die Facebooknutzer kurzfristig eine sehr ablehnende Haltung dieser Methode gegenüber entwickeln werden und empfehle, keine Zeit auf solche Experimente zu verschwenden. Auch wenn die zunächst steigenden Fanzahlen der betroffenen Fanpages in dem einen oder anderen Fall mir nicht gleich recht geben mögen (nicht alle machen sich die Mühe, aus Prinzip zu “entliken”), so wird es die Fanbeteiligung garantiert. Ich halte eine geringere Zahl von Fans, die tatsächlich aktiv sind, für zielführender als eine große Zahl passiver Fans.

Dazu ein Link Tip: Mit dem Tool Fangager lassen sich schon in der gratis Version Fan Engagement Analysen durchführen und die Kennzahlen mit anderen Wettbewerbern vergleichen.

Gibt’s da draußen noch mehr Fan-Gates Fans?


Pic: Gatekeeper’s women by activefree

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Tagged with: Engagement • Facebook • Fan • Fan Gateing • Fanpage • Multiplikator • Nutzer 
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  • http://twitter.com/chrisbeyeler Christopher Walter

    Super Artikel! Du sprichst mir aus der Seele. Jedoch muss man beachten, dass man eine kritische Masse erstmal erreicht haben muss, damit Facebook überhaupt anfängt zu greifen. Ist halt leider auf US-Verhältnisse ausgelegt.

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  • http://blog.meugster.net mmemichi

    Der Artikel gefällt mir gut und er bringt etwas auf den Punkt, was mich schon lange ärgert. Wie du es auch geschrieben hast, entlike ich solche seiten nachher wieder, aus Prinzip. Viel schlimmer sind IMHO die Seiten mit komischen Videos und Titeln à la “Schau, was der Vater mit seiner Tochter anstellt” und ähnlichen Quatsch, wo die Leute auf den Film klicken und dabei auf einen Likebutton klicken und dann vielleicht (aber nicht sicher) den Film sehen. Nervt extrem als Spam auf der Startseite…

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  • http://www.wollmilchsau.de Alexander Fedossov

    Ja, da hast Du Recht. Je mehr Fans eine Fanpage gewinnt, desto schneller kommen neue dazu. Insofern hat die reine Fanzahl sicherlich einen Einfluss auf die Wachstumsdynamik. Ich denke aber, dass man da mit Ads besser beraten ist.

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  • http://www.wollmilchsau.de Alexander Fedossov

    Das sollte sich nun wirklich kein langfristig denkendes Unternehmen leisten :)

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  • Ükzel

    “Guter, offener und freier Content” – nach der Geiz-ist-Geil-Welle kommt jetzt die Kostenlosmentalität. Wenn man schon etwas geschenkt bekommt, und dann nicht einmal bereit ist einen Fan-Button zu drücken, das ist sehr, sehr traurig!

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  • http://www.wollmilchsau.de Alexander Fedossov

    Weder Geiz-ist-Geil noch Kostenlosmentalität treffen hier zu:

    Content ist heute im Netz mit Marketing und Werbung gleichzusetzen. Er wird, man kann das gewiss so nennen, bewußt produziert. Produziert mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen, genau wie Marketing und Werbung offline. Warum soll der Nutzer für Werbung in irgendeiner Form bezahlen?! Offline gebe ich auch nicht gleich meine Daten weiter (vegleichbar mit Fan werden), nur weil mir eine Krankenkasse oder Supermarktkette eine Zeitschrift mit mittelmäßigen Berichten in den Briefkasten schmeißt, die ich aber evtl. durchaus aus Langeweile lese.

    Online bezahle ich für guten Content durch Lesen und Weiterverbreiten des Contents. Das ist im Endeffekt immer gut für die Quelle. Grundsätzlich lohnt es sich aus meiner Sicht letztendlich einfach wirtschaftlich nicht, den Zugang zum Content in irgendeiner Form zu beschränken.

    Spannend finde ich in diesem Zusammenhang übrigens neue Konzepte, wie Flattr, die die Bezahlung von Content auf freiwilliger Basis ermöglichen.

    Außerordentlicher Content, sei es online oder offline, sollte in Zukunft einfach honoriert werden können. Ob er tatsächlich außerordentlich ist, sollte der Nutzer allerdings selbst entscheiden können. Dazu muss man ihm jedoch den Zugang gewähren.

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  • http://www.facebook.com/profile.php?id=100002125680109 Marc Eding

    Mich würde interessieren welche Pages Sie dann liken? Was spricht gegen die Bitte um Viralität? Was machen Sie wenn Ihnen das Tutorial gefällt? Liken Sie dann nochmal, nachdem Sie schon “entliket” haben?

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  • http://www.wollmilchsau.de Alexander Fedossov

    Ich like Pages, die mir einen Mehrwert bieten und/oder insgesamt gefallen. Das schließt natürlich auch den Umgang mit mir mit ein.

    Um Viralität kann man nicht bitten. Viralität entsteht einfach, so ähnlich wie Schimmel. Man kann in beiden Fällen lediglich die optimalen Bedingungen erzeugen. Erzwingen lassen sich beide nicht.

    Nein, in der Regel werde ich etwas aus Prinzip entliktes nicht wieder liken. Warum auch?!

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  • Ükzel

    Der Grund, warum niemand mehr echten Content, sondern nur noch Werbung ins Netz stellt ist doch genau diese Kostenlosmentalität.
    Flattr ist doch ein schlechter Witz, das medienschaffende Gewerbe ist doch kein Betteldasein. Das sind handfeste Leistungen, für die man einen selbstbewußten Preis verlangen kann. Bei Mercedes kann man schließlich auch nicht reinspazieren ein offenes und freies Auto mitnehmen und beim Davonfahren eine kleine freiwillige Spende dalassen. Was wollen die Leute von Mercedes denn? Wenn ich das Auto benutze und weiterverbreite, dass es ein gutes Auto ist, dass ist das doch Lohn genug! So eine Frechheit auch, dass die noch Geld von mir wollen!

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  • http://www.wollmilchsau.de Alexander Fedossov

    Nun, ich finde schon, dass es guten Content im Netz gibt. Und zwar ganz ohne Zugangsbeschränkungen. Nehmen wir z.B. Blogs.

    Kann denn Vergelich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Ein Auto und Content auf einer Facebook Fanpage werden aus völlig unterschiedlichen Gründen erzeugt.

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  • http://www.facebook.com/profile.php?id=100002125680109 Marc Eding

    Vielen Dank für Ihre Antwort!

    Ich verstehe die Sache leider noch nicht so ganz. Spielen wir das Szenario doch mal durch und Sie helfen mir auf die Sprünge, wenn ich einen Denkfehler einbaue (bzw. Ihrer Kausalkette nicht mehr folge).

    Also nehmen wir an Sie hören auf einem Internetradiosender einen neuen Song der Ihnen gefällt. Des weiteren wird darauf hingewiesen, dass es das neue Mixtape der Band auf deren Facebook-Page gibt. Sie finden die Facebook-Page, müssen jedoch mit Schrecken feststellen, dass hier “Wegelagerei” betrieben wird. Ihrem Bericht zufolge würden Sie nun den Like-Button klicken, sich das Mixtape ziehen und dann wieder auf “Unlike” drücken. Richtig? So, Sie haben jetzt das Mixtape, hören es sich an und finden die Musik, wie den bereits gehörten Song, richtig gut. Aber wie Sie in Ihrer Antwort auf meinen Post bereits erwähnt haben, drücken Sie auf keinen Fall mehr auf den Like-Button der Band Fanpage. Richtig?

    Dazu nun also meine Fragen:

    1. Warum ziehen Sie sich dann überhaupt das Mixtape (kann auch gegen ein Tutorial ausgetauscht werden. Wenn Sie nicht so der Musikfan sind :-) )
    2. Wie “honorieren” Sie das Erhaltene?
    3. Sie liken Pages die Ihnen einen Mehrwert bieten. Klicken aber auf “Unlike” wenn Sie den “Mehrwert” bezogen haben?!
    4. Wäre es nicht fairer erst Unlike zu drücken wenn der Content der nachgeliefert wird nicht Ihren Erwartungen entspricht?

    Ich denke:
    Nicht immer ist der Content “hinter einem Like-Button” mit sinnlosem Social-Media blabla oder Werbung gleichzusetzen. Für Werbung will (und soll) niemand zahlen. Aber sollte man für CDs, eine Fachzeitschrift oder einen Vortrag bezahlen? Ich denke ja!

    Denn gerade wenn man für Dinge die einer individuellen Wertigkeit unterliegen “bezahlt” vermeidet man, dass diese mit dem ganzen Blabla und der heißen Luft die durch die Social Media Kanäle gleichgesetzt werden!

    Ein Tutorial, Free-Download oder dergleichen ist mit einem Aufwand verbunden für den ein läppisches “like” meiner bescheidenen Meinung nach nicht zu viel verlangt ist.

    Alles andere kann man doch getrost ignorieren.

    Mit freundlichen Grüßen & Frohe Ostern

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