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Facebooks “Sponsored Stories” – Wo ist das Problem?

von Tobias Kärcher am 28. Januar 2011 · 13 Comments · In Marketing, Social Web

Vor einigen Tagen stellte Facebook die “Sponsored Stories” vor. Eine, bei Facebook neue Form der Werbeschaltungen in der Sidebar. Hierzu werden Nutzeraktionen (d.h. Likes, Check-Ins etc.), die in Zusammenhang mit dem Sponsor stehen in der Sidebar der Kontakte dargestellt. Ein kurzes Developer-Video zeigt, wie das im Falle von Starbucks aussehen könnte. (ab 0:30)

Im Prinzip eine großartige Idee. Während die Mitteilung des Nutzers sonst schnell im Strom der Neuigkeiten untergeht, kann sich die Marke etwas recycelte Aufmerksamkeit kaufen. So wird aus dem Check-In hier:

später eine Anzeige:

Natürlich blieb die Entrüstung in Deutschland nicht aus. Privatsphäre und Datenschutz wurden mal wieder in Gefahr gesehen. Zur Klärung:

Die Privatsphäreeinstellungen für die persönlichen Inhalte gelten ebenso für die Sponsored Stories. Mit anderen Worten: Keiner wird die Nutzeraktion zu sehen bekommen, der sie nicht schon in seinem Stream gesehen hat, oder zumindest gesehen haben könnte!

Doch dem nicht genug. Von “Werbeträger wider Willen” ist die Rede, der ungefragt als Testemonial für Produkte und Marken eingesetzt werden würde. Ich versuche zu verstehen: Wenn ich bei Starbucks einchecke, das meinen Facebook-Freunden mitteile, dann ist alles in Ordnung. Wenn aber meine Freunde von Starbucks auf diese Mitteilung hingewiesen werden, dann werde ich als Werbeträger missbraucht? Warum? Weil eine dritte Partei, Facebook, welche die Infrastruktur stellt, dafür Geld von Starbucks bekommt?!

Der Spiegel Online ergänzt hier:

Im Video verkauft Facebook das Werbeformat als regelrechten Dienst am Kunden, weil es ja gerade die Empfehlungen unserer Freunde seien, auf die wir höchsten Wert legten…

Ist es auch. Wenn ich etwas bei Facebook poste, dann möchte ich doch, dass es meine Freunde sehen. Und ja, ich lese bei Facebook, weil ich wissen möchte, was meine Freunde tun. Das ist Facebook!

…außer, man besucht den Shop eines Anbieters von Inkontinenz-Windeln oder Sado-Maso-Spielzeug? Es sind etliche Kontexte denkbar, in denen ein Facebook-Nutzer es durchaus nicht gern sehen könnte, für Werbung instrumentalisiert zu werden – vielleicht sogar prinzipiell.

Ja, aber dann poste ich es auch nicht bei Facebook! Wo ist das Problem?

Bin ich auf dem Holzweg? Habe ich etwas nicht verstanden?? Bitte klärt mich auf!

Pic: Ed Yourdon

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  • http://www.socialmediablog.ch Chris

    Also ich bin eigentlich nicht dagegen, aber wenn man Werbung als Seite machen kann und den Titel und das Sujet anpassen kann, finde ich das mehr Missbrauch.
    So wurde bei Arbeitskollegen angezeigt, dass ich ein Säuli mag…

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  • http://atenta.de/wir-sind-atenta/ Tobias

    Aber doch nicht das Wollmilchsäuli, oder? ;) Wir schalten keine Werbung bei FB.

    Bei den klassischen Facebook-Ads für externe Seiten ist Titel und Beschreibung (relativ) frei wählbar, aber das trifft ja nicht auf die Sponsored Stories zu. Diese entsprechen inhaltlich 1:1 den ursprünglichen Posts.

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  • http://www.socialmediablog.ch Chris

    Nein, natürlich nicht ;)

    Es ist nur der Text und das Bild frei wählbar, aber der Titel nicht.
    Bei mir war das Säuli schlussendlich Swiss Life.

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  • Marc

    Das ist so furchtbar schlimm weil ähm ja…. weil in Deutschland doch erst mal alles schlimm ist und böse.
    Ich seh das ähnlich, wenn ich nicht will das einer meiner Freunde weiß das ich Starbucks mag oder Windeln gegen Inkontinenz oder SM spielzeug dann werde ich eben nicht bei Beate Uhse “einchecken” und jedem zeigen das ich da bin.

    Aber auch das wird sich durchsetzen und in 4 Wochen interessiert eh keinen mehr was irgendwer wieder zu meckern hatte.

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  • http://atenta.de/wir-sind-atenta/ Tobias

    @Chris: Dann bin ich ja beruhigt.

    @Marc: Wollen wirs hoffen. Aber erstmal machen die mit Halbwissen. denen mit 1/4-Wissen eine Heidenangst. Und bei denen bleibt sie hängen.

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  • http://blog.recrutainment.de Jo Diercks

    Bitte werft hierzu mal einen Blick in die rechtliche Betrachtung im SocialMediaRecht Blog: http://socialmediarecht.wordpress.com/2011/01/29/facebook-introducing-sponsered-stories/
    Das Beispiel mit der Lay Back Bar im Hamburger Schwulenviertel St. Georg trifft es eigentlich ganz gut… Es ist eben gerade etwas anderes, wenn die Nachricht aus dem Zusammenhang meiner Timeline gerissen gesondert erscheint.
    Außerdem ist eben schon bedenklich, dass man bei Registrierung bei Facebook Facebook alle Nutzungsrechte an den eigenen Inhalten (u.a. das Recht am eigenen Bild) pauschal übertragen hat, ohne zu wissen, was die damit zukünftig alles anfangen werden… Damals wurde eben nicht in die Nutzung meines Bilds zur Verkaufsförderung eines dritten Unternehmens mittels Sponsored Stories eingewilligt, sondern pauschal in “alles was da kommen möge”. Und das ist prinzipiell nicht in Ordnung, völlig unabhängig wie ich im Einzelnen nun Sponsored Stories stehen mag…

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  • http://www.socialmediablog.ch Chris

    *gäääääähn* hört doch mal bitte auf mit dem bedenklichen Äusserungen, dass die Rechte abgetreten werden. Versetzt euch doch mal in die Lage eines so grossen Konzerns und das Konfliktpotential, was damit entsteht.

    Das Recht am eigenen Bild ist ja schön und gut, aber es verkompliziert so vieles. Man sollte diese altbackenen Gesetze anpassen und sie so auslegen, dass man mit den Bildern einfach nichts machen darf, was die Person auf dem Bild in ein schlechtes Licht stellen könnte. Oder so ähnlich.

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  • http://atenta.de/software/ Tobias

    Zunächst: Ich verstehe sehr gut, dass sich Menschen durch die Sponsored Stories bevormundet fühlen. Ich hätte an Facebooks Stelle anders gehandelt und mir eine “weichere” Lösung überlegt. Ich respektiere jede Entscheidung, sich bei Facebook aus diesen Gründen abzumelden / nicht anzumelden.

    Ich finde es jedoch ungerecht, einen geschenkten Kuchen zu essen und dann ein Riesentheater zu machen, weil einem die Rosinen nicht schmecken. (Und ihn trotzdem immer weiter zu essen und bei jeder neuen Rosine wieder Geschrei zu machen).

    Auch auf die Gefahr hin, so langsam etwas pedantisch zu wirken, zu Jos Kommentar: ;)

    Zur LayBack Bar: Sorry, das Beispiel greift meiner Meinung nach nicht. Man teilt ja freiwillig und aktiv mit, wo man sich befindet und was man dort tut. Und wenn es einem am nächsten Morgen peinlich ist, dann muss man den Post eben wieder löschen.

    Das Beispiel beschreibt vielmehr das Problem, dass man sich am Wochenende z.B. irgendwo eincheckt und hofft, das Facebook-Freund XY es nicht sieht. (Was an sich schon eine seltsame Aktion ist, aber ok) Und dann soll der Post natürlich nicht ein paar Tage später in der Sidebar auftauchen. In der Tat, da stellen die Sponsored Stories ein Problem dar – aber ein persönliches, ausgelöst durch das eigene Verhalten. Jeder der seine Kreise getrennt halten möchte, OBWOHL er sich mit ihnen bei ein- und demselben Netzwerk verbindet (was ich auch seltsam finde, aber ok), kann über Listen genau festlegen was welcher Freund zu sehen bekommt.

    Wer also ein Problem mit Sponsored Stories hat, kann 1. Listen anlegen, 2. die Sichtbarkeit in den Privatsphäreeinstellungen auf “Nur Ich” stellen oder 3. auf das Posten von Statusmeldungen ganz verzichten. Alles wie gehabt.

    Zu 2: Dass der Nutzungsvertrag, den ich in Deutschland mit Facebook eingehe hierzulande ungültig ist, rechtfertigt nicht, dass ich ihn teilweise aktiv in Anspruch nehme (nämlich Facebook in dem Rahmen nutze, der mir gefällt) und dann plötzlich Teile anfechte, die mir nicht mehr zusagen. Dann ist das nur eine weitere Klausel in einem an sich eh ungültigen Vertrag und damit ein anderes Thema.

    Wer möchte, dass Facebook in Deutschland so nicht mehr genutzt werden darf/kann, der sollte sich direkt dafür einsetzen. Das fände ich persönlich zwar schade, wäre aber nicht zu kritisieren.

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  • http://www.socialmediablog.ch Chris

    Wie ich oben geschrieben habe, finde ich, dass die Verwendung von Profilbildern nur erlaubt sein sollte, wenn man einen direkten Bezug dazu hat. Also nur den Namen der Facebook Seite und das Bild verwenden. Und nicht aus einer Swisslife ein Sparsäuli machen, wie bei mir.

    Das ich deswegen meine Privatssphäre Einstellungen restrektiver einstellen soll, ist unsinn. Ich finde es gut, wenn ich auf mich angepasste Werbung erhalte. Oder auch anderen etwas empfehlen kann. Solange es nicht ausgenutzt wird.

    Mit den aktuellen Funktionen könnte die Swisslife jetzt genausogut Werbung machen für Orangesäfte machen…

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  • http://blog.recrutainment.de Jo Diercks

    ja, wir können uns absolut und gern darauf verständigen, dass keines der etwaig konstruierten probleme auftreten kann, wenn ich mich selber zügel und eben nicht bei starbucks oder sonstwo einchecke. damit wären wir beim stichwort “medienkompetenz” – wie immer. sehe ich im prinzip genau so. dazu gehört aber ja eben das bewusstsein, welche konsequenz mein eigenes handeln haben kann und hieran hapert es eben vielfach.

    tobi, zu deinem gleichnis mit dem kuchen. die nutzung von facebook ist eben mit nichten kostenlos. die währung ist die info, die jeder von uns da täglich hinschleppt. sponsored stories lässt fb sich ja bezahlen. geld von starbucks gegen die info, dass ich da war… da ist im prinzip auch nichts gegen zu sagen, wenn der deal transparenter wäre und wenn ich entscheiden kann, ob ich in dem zusammenhang als testimonial dienen möchte, oder nicht.

    ich gebe dir ein beispiel: am anfang der fußgängezone steht ein schild: wenn sie die fußgängerzone betreten, erklären sie sich bereit, dass von ihnen gemachte fotoaufnahmen zu werbezwecken verwendet werden dürfen. du gehst trotzdem in die fußgängerzone, weil du das schild nicht gelesen hast (selbst schuld), du es nicht für bedenklich hältst (selbst schuld) oder weil es nun mal die einzige möglichkeit ist einzukaufen (auch selbst schuld, aber was ist die alternative?). während du shoppst wird ein foto von dir gemacht und am nächsten tag erscheinen damit großflächige anzeigen, in denen – mit deinem bild – für was weiß ich geworben wird. oder es erscheint dein bild in der zeitung und weiter unten steht, dass gestern in der innenstadt (zu der die fußgängerzone gehört) eine nazidemo stattgefunden hat. der unbedarfte leser (vielleicht dein chef oder deine angebetete) reimt sich 1 und 1 zusammen, zieht seine schlüsse, serviert dich ab und du weißt gar nicht, aus welchem grund eigentlich. das geht nicht in deutschland und zwar aus gutem grund. ich muss das selber entscheiden können und zwar nicht nur OB mein bild verwendet wird, sondern auch genau WOFÜR, wie lange, wie umfangreich usw. und das ist nichts neues, oder liebe herrschaften schon gar nicht etwas “typisch deutsches”. ihr könnt ja mal ein getty- oder corbis bild aus der google bildersuche einfach so für eure seite benutzen. die post mit unterlassungserklärung und entsprechender anwaltskostenote wird nicht lange auf sich warten lassen. eben genau weil da jemand rechte dran hat. nur weil etwas auch praktisch ist und auch für viele dinge praktische funktionen bietet, heisst das nicht dass alles erlaubt ist oder sein sollte…

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  • http://atenta.de/ Tobias

    Fußgängerzonen oder Zeitungen sind doch aber öffentliche Räume bzw. Medien, nicht vergleichbar mit deiner persönlichen Freundesliste, und nur dieser werden deine eigenen(!) Posts irgendwann erneut gezeigt. Und die Entscheidung, ein Testemonial zu werden hast du ja selbst getroffen, als du deinen Freunden gesagt hast, dass du bei Starbucks bist. Eine Sponsored Story “erinnert” deine Freunde nur an deine Aktion. Und es ist nicht so, dass dein Bild in anderen Zusammenhänge verwendet wird.

    Das kann man unpraktisch finden, aber ich sehe mich als Nutzer dadurch nicht geschädigt. Und wenn damit eine dritte Partei Geld verdient – so what? Was ist zum Beispiel, wenn eine FIFA-Kamera begeisterte Fans zeigt? Das sind Testemonials in Nahaufnahme, mal lachend, mal wütend oder weinend. Und die zahlen sogar viel Geld, um in das Stadion zu kommen. Deren Bilder kommen überall und generieren Millionen.

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150 Facebook-Kampagnen im Überblick: Casestudys als Inspirationsquelle http://t.co/ThVweta8  — wollmilchsau
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