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Studien zum Nutzerverhalten – Eine Gegenprobe

von Tobias Kärcher am 17. Juni 2011 · 6 Comments · In Business, Marketing, Social Web

Auf die Gefahr hin, dass es sehr arrogant klingt: Wenn ich mir Studienergebnisse zum Onlineverhalten ansehe, dann bezweifle ich oft, dass die Befragten überhaupt wissen, was sie da beantworten. Ich erinnere zum Beispiel an die Ergebnisse der ARD/ZDF Online Studie von 2010 (die 2011er kommt erst in ein paar Wochen) die besagten, dass 93% der deutschen Onlinebevölkerung nie(!?) Weblogs nutzen würden:

Ich behaupte: Der durchschnittliche deutsche Onliner weiß in diesem Fall einfach nicht, was ein Weblog von einer anderen Website unterscheidet, und dass die Seite, auf der er immer seine spannenden Artikel oder Testberichte liest, in Wirklichkeit ein Blog ist. Er weiß ebenso wenig, dass die Kochrezepte bei chefkoch.de User-Generated-Contet einer Community sind. Ebenso zweifelhaft finde ich z.B. die Angeben anderer Studien, dass sich nur ein Viertel der Studenten Informationen zu Unternehmen via Xing und Facebook wünschen, 57% jedoch über Kontaktmessen(!) an den Universitäten. Ich behaupte: Sie alle nutzen das Web (2.0) schon heute recht intensiv und wissen es nicht. Ich kann es in diesen Fällen aber nicht belegen.

Gegenprobe

Eine neue Ausgabe des W3B-Reports von Fittkau&Maaß verkündet, dass 45,8% aller Social Network-Nutzer bereits Fan oder Follower eines Unternehmens sind. Wow – fast die Hälfte! Das sind zwar 1. mehr als andere Studien zugestehen und 2. bei 20 Millionen deutschen Facebook-Nutzern immerhin knapp 10 Millionen Menschen. Aber ich habe hier wenigstens einmal die Möglichkeit, die kleine Probe aufs Exempel zu machen:

Ich bin meine 181 Facebook-Freunde durchgegangen und habe geschaut, wie viele von ihnen Fan mindestens eines Unternehmens bzw. einer Marke sind. Ich bin dabei sehr streng gewesen und habe Marken wie “Mallorca” ausgeklammert, genau wie Künstler, Sportvereine und sonstige u.U. strittige Fälle.

Das Ergebnis

  • Von 181 Facebook Freunden liken 169 mindestens eine Facebook-Page eines Unternehmens oder einer Marke.
  • Von den 12 Freunden, die nicht Fan eines Unternehmens sind, ist einer ein Hund.

Und besonders schön:

  • Von insg. 10 schnell befragten Freunden, die mehr als 5 Unternehmenspages liken, sagen 3, sie könnten sich nicht einmal vorstellen eine Unternehmensseite zu liken!

Darüber hinaus konnte ich unter einer ersten Auswahl von 30 mir bekannten Twitterern, keinen finden, der keinem Unternehmen folgt. Hier ist der Aufwand jedoch erheblich höher, weswegen ich von einer Vollerhebung der mit mir verbundenen Accounts abgesehen habe.

Ja, mein Freundeskreis enthält überproportional Produkt- und Marken-Begeisterte, insbesondere viele Manschen aus dem Marketing-Umfeld, aber selbst wenn ich all diese komplett aus meiner “Studie” ausschließen würde, käme ich immer noch auf sichere 75%. Natürlich ist diese Gegenprobe mit 181 Kontakten nicht wirklich ernst gemeint, geschweige den repräsentativ, aber sie entspricht nun mal viel eher meiner Wahrnehmung, als das was ich sonst so höre und lese.

Pic: jetalone (CC BY 2.0)

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  • http://twitter.com/MarcoMulas Marco Mulas

    Leider muss ich mich Deinem Fazit anschließen. In vielen Befragungen wird häufig einfach zu viel Wissen bei den Probanden vorausgesetzt. Gerade bei “komplizierten” Themen ist es besonders wichtig, dass man bei jeder Frage im Hinterkopf behält, dass auch weniger internet-affine/ technik-begeisterte  Personen an der Befragung teilnehmen werden. Dann sollte es (eigentlich) heißen: erklären, erläutern, Beispiele zeigen,… Leider wird das häufig nicht (ausreichend) bedacht.

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  • http://twitter.com/beyond9to5_de Tanja Handl @ B95

    Absolut köstlich – aber wie kann man mit einem Hund befreundet sein? :D
    Lg, Tanja von B95

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  • http://www.wollmilchsau.de/ Tobias Kärcher

    Frauchen und Herrchen tippen für ihn, :)

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  • http://www.facebook.com/steffen.harting Steffen Harting

    Wenn die Alterstruktur bei der ARD/ZDF Umfrage der durchschnittlichen Seherstruktur der Sender entspricht dann wird das wohl stimmen, da die 50+ Generation sicherlich noch nicht so stark im web 2.0 unterwegs ist wie

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  • http://www.wollmilchsau.de/ Tobias Kärcher

    Einen ähnlichen Gedanken hatte ich auch schon, zumal eines der Hauptergebnisse der Studie war, dass Bewegtbild im Netz immer wichtiger wird. ;)

    Aber ernsthaft: Diese Studie hat den Anspruch einer repräsentativen Umfrage unter der deutschen Online-Bevölkerung ab 14j. – und wird auch oft als solche behandelt. Natürlich ist die Fragestellung dabei ausschlaggebend, genau wie das Vermögen der Befragten sie zu erfassen. Aber genauso die Interpretation der Ergebnisse wie auch deren Darstellung durch Dritte. Mindestens vier potentielle Störfaktoren zwischen Fragestellung und Antwort. 

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