Zum Weltfrauentag: Deutliche Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau

HR & Recruiting, Praxison März 8th, 2010• von Tobias Kärcher5 Comments

    Der 8. März 2010 ist der 100. Weltfrauentag. In einigen Ländern ein gesetzlicher Feiertag, in anderen lediglich ein Aufruf zur Besinnung. Dabei gilt es nicht nur die miserablen Zustände für Frauen und Mädchen in den klassischen Entwicklungsländern anzumahnen, man sollte nach wie vor auch einen Blick auf das eigene Umfeld werfen. So absurd das im 21. Jahrhundert ist: man kann es schon als Erfolg verbuchen, dass die grundlegenden Bürgerrechte in den westlichen Industrienationen auch für Frauen weitestgehend eingehalten werden. Doch immer noch musste zum Beispiel der DGB zum heutigen Datum eine grundsätzliche Angleichung der Löhne für Frauen in Arbeitsverhältnissen fordern:

    Demnach gehört Deutschland zu den Ländern mit dem EU-weit größten Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes verdienen Frauen durchschnittlich fast 24% weniger als Männer – Teilzeitarbeit und Babypausen mit eingerechnet. Dass sich der Prozentsatz an Frauen in Vorstandsetagen im einstelligen Bereich bewegt, ist dabei wohl auch eher Symptom als Ursache. In dieser Hinsicht besteht in Deutschland also nach wie vor ein deutliches Entwicklungsdefizit, auch ohne zur Dritten Welt zu gehören. Als Quittung gab es nun die entsprechende Mahnung aus Brüssel, “mit gutem Beispiel voranzugehen, anstatt Nachzügler zu sein.”

    Warum nach wie vor diese starre Rollenverteilung? „Klassische“ Frauenrollen können angenommen werden und verdienen es respektiert und gewürdigt zu werden. Diese Rollen können allerdings auch aufgezwungen und anerzogen sein. Die KinderZEIT hat heute folgende gut gemeinte Idee: “Wenn Ihr Lust habt, macht doch Eurer Mutter, Tante oder Großmutter heute eine kleine Freude – bringt den Müll raus, deckt den Tisch freiwillig ab oder räumt Eure Zimmer – unaufgefordert – auf.”, denn, so heißt es weiter: “der Weltfrauentag ist die politische Schwester vom familiären Muttertag”.

    Als Mutter wird die Frau in Deutschland durchaus gewürdigt, auch unterstützt – Kindertagesstätten ermöglichen es, auch als Mutter einer “Tätigkeit” nachzugehen – als vollwertiges Mitglied der Arbeitswelt ist die Frau jedoch nach wie vor unterrepräsentiert. Auch wenn für (die oben angesprochenen) Kinder die Frau natürlich einen klar familiären Bezug hat, hinterlässt das doch gerade heute irgendwie einen seltsamen Nachgeschmack. Wir wollen unseren heutigen Tipp für Kinder deshalb ein klein wenig anders formulieren: “Helft eurem Vater beim Kochen, dann kann Mama in aller Ruhe im Meeting sitzen und weiß, dass zu Hause alles gut läuft.”

    Vorschaubild: katutaide

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    • Olliver

      Wieso sollte es einen feministischen FRAUEN-Tag geben….

      - solange Männer Zwangsdienste BW und Zivildienst verrichten müssen. Frauen nicht.
      - solange die Berufsunfalltoten zu 94% Männer sind
      - solange die Lebenserwartung der Männer weit unter der der Frauen liegt (6,16 Jahre)
      - solange es ausschließlich einen FRAUEN-GESUNDHEITSBERICHT gibt
      - solange die Selbstmordrate der Männer weit über der der Frauen liegt
      - solange die Obdachlosen-Zahlen der Männer (90%) so weit über den Zahlen der Frauen liegen
      - solange die Afghanistan-Gefallenen ausschließlich männliche Vornamen haben
      - solange die Haushalts-Unfall-Toten zu 80% Männer sind.
      - solange Jungs nur 40% der Abiturienten stellen
      - aber über 2/3 der Sonderschüler mit Retalin ruhig gestellt werden
      - riesige Summen jährlich 200 000 Millionen Euro per Gesetz von dem Mann zur Frau geschoben werden.

      Das alles hat nichts mit Geschlechter-Gerechtigkeit zu tun!

      -

      [b]Männer wehrt Euch!
      Lasst euch nicht von feministischer Fakten-freier Propaganda einlullen, die Fakten sprechen eine andere Sprache. (23%-Leier,etc)[/b]

    • Tobias

      Lieber Olliver,

      der Weltfrauentag ist doch eben ein Tag, an dem über Gleichberechtigung nachgedacht werden kann. Und keiner Ihrer Punkte (die Prüfung derer überlassen wir mal dem geneigten Leser) spricht gegen einen solchen Tag. Gerade wenn Sie sich als Mann so ungerecht behandelt fühlen, sollten sie doch im Gegenzug den Frauen das gleiche Recht zusprechen.

    • http://www.medicaltopjobs.de Ulrike

      Geschlechterfragen aus der Betroffenheitsperspektive anzugehen ist gefährlich. Zu leicht gerät man/frau in die Versuchung, dem anderen Geschlecht die Schuld für Missstände zuzuweisen – und das ist alles andere als konstruktiv. Olliver kritisiert zu Recht eine Reihe von Problemen, die ich mir ganz und gar nicht für die zukünftige Männergeneration wünsche: Männer bringen sich nachweislich häufiger um, weil sie nicht gelernt haben (oder man ihnen nicht beigebracht hat?), über ihre Gefühle zu reden. Männer werden in Kriegen getötet, weil Regierungen immer noch nicht in der Lage sind, Konflikte gewaltfrei auszutragen usw. usf. Soweit o.k. An dieser Stelle könnte ich aber auch eine bekannte globale Statistik zitieren, die beschreibt, dass der Anteil an globaler Arbeitsleistung mehrheitlich von Frauen erbracht wird und umgekehrt proportional zum Vermögen der männlichen Weltbevölkerung steht. Ganz zu schweigen vom allseits bekannten PayGap von mehr als 23%, mit dem Deutschland europaweit eine unrühmlichen oberen Platz einnimmt. Wie auch immer: unstrittig ist, dass auch Männer massive Probleme haben, sei es durch veränderte Strukturen und Anforderungen in der Arbeitswelt, durch die wachsende Selbstständigkeit und Unabhängigkeit von Frauen. Oder weil die vorangegangenen Männergenerationen als Rollenvorbilder nicht mehr ausreichen. Da ist einiges ins Wanken geraten. Veränderte Rollen für Männer können aber zukünftig auch große Chancen bedeuten, z.B. aus der Alleinernährerrolle auszubrechen oder sich – ohne Karrieregefährdung – mehr der Familie zu widmen. Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und betreiben eine aktive Gender-und Familienpolitik. Auch wenn Frauenfördermaßnahmen hier meist noch im Vordergrund stehen, was eine gewisse historisch gewachsene Berechtigung hat, werden einseitige Lösungen der Genderdebatte in Zukunft nicht mehr gerecht werden. Es ist offensichtlich, dass auch Jungs und Männer spezifische Beratungsangebote brauchen. Mein persönlicher Tipp: Polemik hatten wir in der Geschlechterdebatte genug – es wäre hilfreich, wenn Männer und Frauen die Probleme sachlich und gemeinschaftlich angehen würden. Und klasse, dass wollmilchsau was zum Genderthema gebracht hat.

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